Magda Hartel: Praktikum in einer Düsseldorfer Steuerberatungsgesellschaft

Magda Hartel (36) lebt seit 2008 in Deutschland, studiert BWL und macht derzeit ein Praktikum bei Braun & Balloff Steuerberatung GmbH. 2014 wurde sie in das Projekt ProSALAMANDER aufgenommen: Angesiedelt an der Universität Duisburg-Essen, werden ausländische AkademikerInnen durch Nachqualifizierungsprogramme unterstützt. Dr. Adnan Elci (Unterstützer von ProSALAMANDER und INTEZ e.V.) begleitet Magda Hartel seit 2014 als Mentor. Ihre Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie finanzielle und mentorielle Begleitung bis hin zum Berufseinstieg sinnvoll in einer Hand liegen.

Was haben Sie in Ihrem Heimatland gelernt?
In Armenien, meiner Heimat, habe ich einen Bachelor in Land-, Forst- und Agrarwirtschaft und Rechnungswesen gemacht sowie einen Master in Finanz- und Kreditwesen. Dann habe ich in einer Bank erst in der Buchhaltung und später in der Kreditabteilung gearbeitet. Dort war ich in der Kundenbetreuung und Beratung tätig.
Meine Familie hatte eine Steinfabrik, in der mein Bruder und ich die Geschäftsführung übernommen haben, bis ich nach Deutschland gegangen bin.

Seit wann leben Sie in Deutschland und was hat Sie dazu bewogen, hierher zu kommen?
Ende 2008 bin ich von Armenien nach Essen gezogen. Meine Eltern wohnen schon länger hier, von daher kannte ich das Land schon durch Besuche.
Ich habe während meiner Schwangerschaft meinen deutschen Führerschein gemacht und bin abends zu VHS-Deutschkursen gegangen. Seit meine Tochter in den Kindergarten geht, kann ich mich wieder um meinen Beruf und meine Ausbildung kümmern.

Wie sind Sie zu ProSALAMANDER und INTEZ e.V. gekommen?
Eine Bekannte hat mich auf eine Anzeige von ProSALAMANDER aufmerksam gemacht, das war 2014. Ich habe mich beworben und einen Platz bekommen. Bei der Begrüßungsveranstaltung von ProSALAMANDER habe ich dann Dr. Adnan Elci kennengelernt. Er hat mich von Anfang an unterstützt.

Wer ist Dr. Adnan Elci und wie sieht die Begleitung durch ihn aus?
Dr. Elci arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater. Er war bei ProSALAMANDER und auch INTEZ e.V. von Beginn an dabei. Als mein Mentor hat er mich finanziell bei meinem Sprachkurs unterstützt, mir bei Fragen zu Bewerbungsgesprächen und vielem anderen geholfen. Ich kann ihn jederzeit ansprechen, wenn ich Fragen habe oder Hilfe brauche.

Sie machen gerade ein Praktikum bei Braun & Balloff Steuerberatung GmbH, wie ist der Kontakt entstanden?
Den Kontakt hat mir Adnan Elci vermittelt. Ich habe mich sofort beworben. Dann hatte ich ziemlich schnell ein Bewerbungsgespräch und habe den Platz bekommen, seit Anfang August arbeite ich dort. Sie mochten besonders meinen vielseitigen Lebenslauf. Erst einmal bleibe ich bis zum Ende der Sommersemesterferien.
Es ist gut, erst einmal in einem kleinen Betrieb zu lernen, weil man sehr unterschiedliche Aufgaben bekommt und dadurch mehr lernt. Wenn man dann schon ein Praktikum gemacht hat, ist es leichter, eine Stelle oder ein Praktikum in einer größeren Firma zu bekommen.

Haben Sie schon Pläne für weitere Praktika?
Ich habe bei einer Fachmesse weitere Kontakte zu Wirtschaftsprüfungsgesellschaften knüpfen können. Die wollen aber in der Regel Leute, die sechs Monate Vollzeit bei Ihnen arbeiten können. Ich will erst das Studium beenden, mich aber gleichzeitig als Werkstudentin bewerben.

Wie war Ihr Einstieg ins Praktikum?
Ich bin die erste Hälfte des Tages bei Kollegen mitgegangen, habe zugeschaut, und habe dann direkt selber angefangen zu arbeiten. Mein Vorgesetzter war überrascht, aber ich habe ja schon sechs Jahre in Armenien gearbeitet und bin in diesem Bereich nicht neu. Ich mache das Praktikum nicht, um mich zu orientieren – Ich weiß, dass ich gerne mit Zahlen arbeite.
Einkommenssteuererklärungen und Arbeiten aus der Finanzbuchhaltung erledige ich komplett selbstständig. Wenn ich Fragen habe, kann ich jederzeit meine Kollegen ansprechen, neu ist aber eigentlich nur die Software. Am Anfang hatte ich Angst, dass ich es nicht schaffen könnte, gerade wegen der Sprache, aber ich finde mich gut zurecht. Ich fühle mich im Team wohl, die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm.
Das Praktikum hat als unbezahltes Praktikum begonnen, aber da ich so fleißig war, hat mein Chef sich nach zwei Wochen entschlossen, mir doch ein Gehalt zu zahlen.

Wie geht es für Sie nach dem Studium weiter, was sind Ihre Ziele?
Mein Studium geht noch bis Sommer 2017: Ich studiere noch ein weiteres Semester und schreibe dann meine Bachelorarbeit. Vielleicht mache ich danach noch den Master, aber erst einmal möchte ich arbeiten. Ich kann mir auch vorstellen, parallel zum Beruf zu studieren. Nach zwei Jahren kann ich meine Steuerberatungsprüfung machen, danach gehe ich vielleicht in die Wirtschaftsprüfung. Und ich möchte mein Englisch wieder auffrischen. Wenn ich genügend Berufserfahrung gesammelt habe, würde ich mich gerne als Steuerberaterin selbstständig machen.
Mit einem Kind ist es schwierig, alles zu schaffen. Ich bin gleichzeitig Mutter, Hausfrau, Studentin und Mitarbeiterin/Angestellte. Aber es macht mir Spaß, man muss einfach den Willen und Mut haben und alles gut organisieren. Dann kann man viel erreichen im eigenen Leben.

Wie war der Wechsel nach Deutschland für Sie? Hatten Sie Schwierigkeiten?
In Armenien war ich es gewohnt, Noten mit einer Eins vor dem Komma zu bekommen. Hier musste ich lernen, dass das nicht immer geht. Anfangs war ich enttäuscht von mir, aber das ist normal. Mittlerweile spreche ich die Sprache besser. Meine Vertiefungsfächer laufen jetzt sehr gut, und das zeigt sich auch in meinen Noten.
Meine Mutter sagt immer: Wenn man etwas Geld hat, kann man es zur Seite legen und etwas sparen, dann hat man immer mehr. – Wenn man keines hat, kann man auch nichts zur Seite legen. Ähnlich ist es auch mit dem Erfolg: Wenn man Erfolg hat, hat man auch mehr Motivation, mehr Mut und will noch mehr schaffen.

Was mögen Sie an Deutschland?
Es gibt hier eine große Vielfalt, jeder kann erreichen, was er will und man bekommt keine Hindernisse in den Weg gelegt.
Und: Ich mag auch Pünktlichkeit, das macht mich wohl sehr deutsch…