Omar Mohamad im Team der Ruhrtriennale

Seit einem Jahr lebt Omar Mohamad (27) in Deutschland. Der studierte Betriebswirt ist 2015 aus Syrien geflüchtet, nun kann er erste Berufspraxis in Deutschland bei der Ruhrtriennale sammeln. Im Gespräch mit uns spricht er über Wünsche, Ziele und seinen Start in Deutschland.

Sie kommen aus Syrien, was haben Sie dort gelernt und wo haben Sie gearbeitet, bevor Sie nach Deutschland gekommen sind?
Ich habe in Aleppo BWL studiert, während des Studiums war ich dort in der Buchhaltung und im Bereich Marketing beschäftigt. Auf der Flucht war ich für dann acht Monate in der Türkei, auch dort habe ich nebenher in einem Büro gearbeitet.

Nun leben Sie seit einem Jahr in Deutschland, seit Mitte August sind Sie im Team der Ruhrtriennale…
Ja, ich mache eine Hospitanz im Bereich Marketing/Vertrieb. Ich werde insgesamt drei Monate dort sein.

Und was sind dort Ihre Aufgaben?
Ich bin erst seit Kurzem da – bisher bin ich bei Besprechungen dabei, bekomme kleinere Aufgaben im Bereich Marketing, ich besuche die Veranstaltungen am Wochenende und helfe dort, wenn Not am Mann ist. Das Festival dauert sechs Wochen. Letztes Wochenende hat es angefangen, es findet im ganzen Ruhrgebiet statt.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit bei der Ruhrtriennale?
Ich mag, dass die Arbeit sehr kommunikativ ist. In Syrien musste ich nicht viel sprechen bei meiner Arbeit, aber hier hilft es mir sehr. Es ist wichtig und macht Spaß, deutsch zu sprechen, ins Gespräch zu kommen, verbessert zu werden. Alle sind total nett und helfen mir.

Wie war Ihr Start bei der Ruhrtriennale?
Hier zu arbeiten macht Spaß! Der Anfang war ein bisschen schwer, aber jetzt geht es gut und ich freue mich. Ich teile mir ein Büro mit einem Kollegen, habe meinen eigenen Arbeitsplatz, die Leute sind alle total nett, es ist alles gut.

Der Kontakt für das Praktikum wurde Ihnen von INTEZ e.V. vermittelt, trotzdem hatten Sie natürlich ein Bewerbungsgespräch. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Das Vorstellungsgespräch war super! Vier oder fünf Freunde von mir haben mir sehr viel geholfen – ohne deren Hilfe hätte ich es nicht schaffen können. Eine Freundin hat mir ein Jackett ausgeliehen, eine andere Freundin hat mit mir geprobt und mir Fragen gestellt und ein weiterer Freund hat mit mir Informationen über die Ruhrtriennale recherchiert. Dadurch war ich beim Vorstellungsgespräch dann sehr gut vorbereitet.
Freunde sind wichtig. Nach 13 Tagen in Deutschland habe ich schon zwei deutsche Freunde kennengelernt, die mir auch heute noch immer helfen. Ich hatte großes Glück, wir sind immer in Kontakt. Ich kann das nicht vergessen, das ist super und ich bin sehr dankbar. Bielefeld, Bochum und Duisburg wohnen in meinem Herzen, gemeinsam mit meiner Familie.

Warum gerade diese drei Städte?
In Bielefeld habe ich meinen Asylantrag gestellt. In Bochum und in Duisburg gibt es viele Deutsche, die mir viel geholfen haben. Ohne sie hätte ich nicht so schnell Deutsch lernen können.
Man muss immer positiv denken und versuchen, die schönen Sachen im Kopf zu behalten. Es geht mir gut, wenn ich eine Aufgabe habe. Wenn ich nichts zu tun habe, nur herumsitze, esse und schlafe, geht es mir nicht gut. Ich möchte etwas tun.
Im letzten Jahr habe ich viel gelernt und erlebt. Letztes Jahr habe ich mit 70 Leuten in einer Unterkunft gelebt. Manchmal enger, manchmal mit mehr Platz. Wenn man sich gegenseitig hilft und zusammenhält, kann man es schaffen.

Generell zu Deutschland: Was gefällt Ihnen hier und was nicht?
Mir gefällt die Demokratie! Man kann alles sagen und frei sprechen.
Was mag ich nicht? [lacht] Die Bürokratie. Man könnte viele Sachen schneller machen ohne Bürokratie, das ist total anstrengend. Wenn man in Deutschland irgendetwas machen möchte, braucht man immer einen Termin. Und manche Sachen könnte man auch schnell ohne Termin erledigen.

Nun sind Sie für drei Monate im Team der Ruhrtriennale. Was sind Ihre Pläne für die Zeit danach?
Ich möchte mir mein BWL-Studium anerkennen lassen, ich warte noch auf das Ergebnis der ZAB [Anmerkung: Zentralstelle für ausländische Bildung]. Die Hochschule teilte mir mit, dass ich etwa drei Semester wiederholen müsse, aber auch hier wird noch das Ergebnis der ZAB abgewartet. Und für das Studium muss ich als nächstes den Deutschtest bestehen.

Seit wann lernen Sie Deutsch?
Seit einem Jahr ungefähr. Ich versuche immer viel und schnell Deutsch zu lernen. Normalerweise braucht man für den B1-Schein 650 Stunden Studium. Ich hatte 300 Stunden in einem VHS-Kurs. Danach sollte ich über zwei Monate auf den nächsten Kurs warten. In der Zeit habe ich alleine gelernt und nach ungefähr 100 Stunden habe ich den B1-Test geschafft! Jetzt lerne ich für B2 und C1.

Konnten Sie vorher schon andere Sprachen, die Ihnen beim Deutsch lernen geholfen haben?
Ja, ich spreche Englisch, ich musste also nur noch die Umlaute neu lernen und kein ganz neues System. Aber im Türkischen gibt es auch Umlaute. Ich habe nur Probleme mit den Artikeln. Im Arabischen, meiner Muttersprache, gibt es nur maskulin und feminin, deswegen mache ich viele Grammatikfehler im Deutschen. Aber ich kann gut deutsch schreiben, denn meine Freunde schreiben mir auf WhatsApp und ich schreibe zurück. Sehr nützlich und praktisch, wirklich: Ich bin sehr dankbar für all meine Freunde.

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