Unsere Stipendiaten – Mohammad Ajul

Mohammad Ajul (23) ist seit Oktober 2016 Stipendiat von INTEZ e.V. Gebürtig aus Syrien, ist er vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen und studiert hier nun Fotografie an der Folkwang Universität der Künste.

20931011_728873047297654_1990189684_oWoher kommen Sie und seit wann leben Sie in Deutschland?
Ich komme aus Damaskus, Syrien, und lebe seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Vor einem Jahr bin ich für das Studium nach Essen gezogen.

Seitdem studieren Sie Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Haben Sie bereits in Ihrer Heimat gearbeitet oder studiert?
Ja, ich habe zwei Semester Betriebswirtschaftslehre studiert und vor dem Krieg und meiner Flucht war ich fünf Jahre lang als Webentwickler und Grafikdesigner tätig, während des Krieges dann als Fotojournalist.

Haben Sie in Ihrer Heimat – beruflich oder privat – auch fotografiert?
In Syrien habe ich viel fotografiert und gefilmt. Ich wollte, dass die ganze Welt erfahren kann, was dort passiert. Ich musste die Kamera einfach mit mir herumtragen. Als ich 19 Jahre alt war, flog ein Kampfflugzeug über uns und warf eine Bombe ab. Viele Verletzte lagen am Boden, ein Mann hat mir eine Kamera in die Hand gedrückt und mich gebeten mit Fotos zu dokumentieren, was passiert ist. Seitdem habe ich immer weiter in Bildern festgehalten, was um mich herum geschah.
Später haben mir viele Freunde und Bekannte gesagt, dass ich talentiert sei und mir vorgeschlagen, Fotografie zu studieren.

Nun leben Sie in Deutschland, haben einen der begehrten Studienplätze ergattert und diese Idee in die Tat umgesetzt. Welche Erfahrungen haben Sie im Studium gemacht?
Eine Sache, die mich besonders gefreut hat, ist, dass ich im Mai im Rahmen der Ausstellung „An diesem Ort – die Ungewissheit bestimmt den Aufenthalt“ [mitveranstaltet von INTEZ e.V.] mit meinen Arbeiten das Leid von Kindern und Flüchtlingen im Land zeigen konnte. Die Fotos habe ich teilweise während meiner eigenen Flucht gemacht.
Das Studium an einer Universität ist sehr theoretisch, auch – oder selbst – in einem Fach wie Fotografie. Wir sprechen oft über Fotografien verschiedener Künstler und lesen wissenschaftliche Texte. Man muss dafür sehr gut Deutsch können, mir fallen oft nur einfache Wörter ein, um Dinge zu beschreiben, aber die passen leider nicht immer um zu erklären, was ich meine. Mir war vorher nicht bewusst, dass das Fotografiestudium so theoretisch und die Sprache so grundlegend wichtig ist.
Gleichzeitig bin ich sehr dankbar für Deutschland und für die Unterstützung von INTEZ e.V. – Ausländer und Flüchtlinge können nicht sofort arbeiten und studieren gleichzeitig. Das Studium braucht für uns sehr viel mehr Zeit, weil man mit der Sprache zu kämpfen hat. Daneben kann man nicht viel anderes arbeiten, wenn man es schaffen will, das Übersetzen und Lernen der Sprache braucht einfach Zeit. Durch das Stipendium habe ich die Möglichkeit, mich ganz auf das Studium zu konzentrieren.

Trotz Ihrer Erfolge – Ihre Arbeiten wurden seit Ende 2016 bereits in drei Ausstellungen gezeigt – haben Sie sich entschieden einen anderen Weg mit Ihrem Studium zu gehen …
Das ist richtig: Ich habe festgestellt, dass ich nicht einfach ein Auto fotografieren oder ein Portrait machen kann – ich verbinde das Fotografieren mit dem Krieg, mit dem Gedanken zu helfen und etwas sichtbar zu machen, das gesehen werden muss! In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass es mir nicht so wichtig ist oder sogar sinnlos erscheint, andere Dinge zu fotografieren.

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Ich habe mich nochmal umgeschaut, welche Studienrichtungen es gibt. Ab Oktober werde ich Design in Münster studieren. Die Aufnahmeprüfung dafür habe ich letztes Jahr schon bestanden, nur wollte ich zu dem Zeitpunkt viel lieber Fotografie studieren. Jetzt freue ich mich aber auf den Wechsel.

Haben Sie schon ein konkretes berufliches Ziel?
Am liebsten möchte ich als Creative Director arbeiten. Dabei muss man alles können: Fotografie, Design, Illustration und vieles mehr. Man ist breit aufgestellt, verbindet verschiedene Sparten miteinander und muss alles überblicken können.

Ganz offen gefragt: Was wünschen Sie sich?
Dass der Krieg in Syrien beendet wird.

Könnten Sie sich vorstellen, dann nach Syrien zurückzukehren?
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ich habe schlechte Erinnerungen.

Was mögen Sie an Deutschland?
Ich mag die Toleranz, funktionierende Gesetze und dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat.

… und was nicht?
Das Wetter! [lacht]

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim Studienstart in Münster!