Yenny Garzon: Noch einmal studieren – aber kürzer!

Yenny Garzon musste in Deutschland das gleiche Fach noch einmal studieren, um eine qualifizierte Arbeit zu finden. Aber durch Anrechnung von Studieninhalten aus dem Heimatland ging es viel schneller.

Yenny Garzon

Mein heute 10 Jahre alter Sohn und ich sind in Oktober 2013 nach Deutschland gekommen. Wir sind Kolumbianer, mein Sohn hat auch die deutsche Staatangehörigkeit, daher konnte ich in Deutschland einen Aufenthaltstitel erhalten.
In Kolumbien hatte ich ein fünfjähriges Studium in Business Management erfolgreich abgeschlossen, und ich hatte als Finanzdozentin und als Junior Trader gearbeitet. In Deutschland habe ich im Wintersemester 2015 das BWL Studium an der Universität Duisburg-Essen angefangen, ein Teil meines Studiums im Ausland wurde angerechnet.
Als wir nach Deutschland gekommen sind, habe ich erst an der VHS Deutsch gelernt. Nach einem Jahr, als ich etwas mehr Deutsch sprechen konnte, war ich an der Beratungsstelle der Uni Duisburg-Essen und dort wurde mir geraten das OnTOP-Programm zu kontaktieren. Danach ging alles sehr schnell, ich wusste, dass ich die DSH-Prüfung bestehen musste, um ein Studium an der Uni zu beginnen. Dann habe ich noch zwei intensive Deutschkurse in Essen absolviert und somit habe ich die DSH-Prüfung bestanden.
Ich hatte am Anfang nicht vor, in Deutschland noch einmal zu studieren, aber es wurde mir klar, dass ich ohne die richtige Qualifikation meinen Beruf in Deutschland nicht hätte ausüben können. Für die Wahl des Faches waren mein in Kolumbien abgeschlossenes Studium und meine Berufserfahrung ausschlaggebend. Nach der Beratung an der Uni gab es keine Zweifel in Bezug auf die Wahl des Faches; schwierig fand ich dagegen die Finanzierung des Studiums. Mein BAföG-Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass ich ja bereits einen in Kolumbien berufsqualifizierenden Abschluss erworben hätte; folglich handele es sich bei dem Studium in Deutschland um eine “weitere” Ausbildung, für deren Förderung bei mir die Voraussetzungen nicht gegeben seien. Das erste Jahr des Studiums konnte ich über ein Stipendium finanzieren, danach habe ich eine Stelle als studentische Hilfskraft bekommen und ein Stipendium von INTEZ. Nur so konnte ich mein Studium in September 2018 abschließen.
Seit November 2018 arbeite ich bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, vor Ort unterstützen wir deutschlandweit die Wirtschaftsprüfer bei verschiedenen Prüfungsaufgaben. Ich fühle mich damit beruflich „angekommen“ und strebe keinen Masterabschluss an. Ich liebe meinen Beruf, aber ich liebe auch meine Familie, und eine 35 Stunden Stelle erlaubt mir beides in Einklang miteinander zu bringen. Mir geht es darum mich als Teil dieser Gesellschaft zu fühlen.